Meine ersten Anfänge als Autorin begannen lesend. Ich hatte das große Glück gleichzeitig mit Harry Potter zur Schule zu gehen- und zwar war der erste Band erschienen, als ich in die erste Klasse ging und lesen lernte. Meine Liebe zu Fantasy Geschichten war erwacht. Den zweiten Band habe ich in meinem zweiten Schuljahr verschlungen (wobei ich mich durch den Basilisken ganz schön gruselte, nachts Albträume hatte und mir von meiner Mutter fast untersagt wurde, weiterzulesen) und als Harry Potter sein drittes Jahr in Hogwarts besuchte, war ich in der dritten Klasse…
Zu Weihnachten habe ich mich immer wahnsinnig gefreut, in neue fantastische Welten von Kai Meyer eintauchen zu können- von ihm habe ich die Merle Trilogie geliebt- irgendwann kamen auch der Herr der Diebe von Cornelia Funke, Twig im Dunkelwald (Paul Stewart und Chris Riddell) und viele weitere Fantasyromane in mein Bücherregal und fantastische Abenteuer in meinen Kopf.
Kein Wunder, dass ich – nun den Kopf voll wilder Ideen, Figuren und fantastischer Welten – auch Geschichten erzählen wollte. Ich sprach Kassetten mit unterschiedlichen Stimmen ein (erinnern kann ich mich an Außerirdische, Zwerge und Hexen).
Mein erstes Buchprojekt hieß „Alisha im Garten der Seherin“- ich schrieb während der Sommerferien bevor ich in die fünfte Klasse kam. Ich hatte von einer Karawane an Zirkuswagen mit einer Wahrsagerin geträumt, einem Mädchen in den Sommerferien, das dort eine Wahrsagerin aufsucht. Am nächsten Tag wollte das Mädchen den Zirkus erneut besuchen, aber er war verschwunden und sie folgte den Spuren der Wagen zu einem Portal, das sie in eine fremde Welt brachte.
Bis heute begegnen mir häufig Figuren und magische Orte und Tiere in meinen Träumen und ich muss meine Einfälle dann sehr schnell notieren. Und ja, das Projekt „Alisha“, das von meinem 10-jährigen Ich fest als Buch angedacht war, hat in etwa die Länge einer Kurzgeschichte erreicht, die ich nie beendet habe.
Der Drang zum Schreiben blieb und ich nutzte jede Gelegenheit, irgendwelche Schulhausaufgaben und Aufsätze in fantastische (Kurz-)Geschichten abzuwandeln. In der 10. Klasse wollte ich es dann wieder versuchen. Ich schrieb während des Unterrichts an einem Buchprojekt- am liebsten in Deutsch und Englisch, aber auch in Religion und Geschichte. Meine Hauptfigur hieß Allan, ihr Widersacher van Mort- über 50 Seiten sind auf diese Weise entstanden. Ich weiß noch, dass meine damalige Freundin und Sitznachbarin stolz den anderen aus der Klasse verkündete „Laura schreibt ein Buch“ und ich glaubte, meine Bestimmung gefunden zu haben. Gerade als es dann Richtung Oberstufe ging und die ersten Berufsorientierungsveranstaltungen warteten- ich wollte Autorin werden. Da ich zu dem Zeitpunkt aber noch wenig Ahnung vom Überarbeiten und Lektorieren von Texten hatte, nahm ich mir die ersten zwanzig Buchseiten immer wieder vor und überarbeitete sie wild. So kam meine Geschichte ins Stocken, weil ich immer wieder am Anfang startete. Ein frustrierender Kreislauf!
Mein Cousin hatte mir schon wunderbare Charakterskizzen für meine Figuren gezeichnet, aber die Geschichte ging durch meine Überarbeitungsschleifen einfach nicht weiter. Da er ebenfalls begeistert von Fantasygeschichten ist, wagten wir ein paar Jahre später einen gemeinsamen Versuch und schrieben während eines Urlaubs auf Mallorca drauf los. Wir entwarfen eine neue Geschichte mit einem Brand im Kloster, einer wilden Verfolgungsjagd, coolen Figuren- doch leider holte mich nach dem Urlaub der Alltag und die Vorbereitung auf das Abi ein und die Geschichte kam ins Stocken.
Während der restlichen Schulzeit war es so aufregend, dass ich nicht mehr zum Schreiben kam. Dazu kamen die gutgemeinten Ratschläge meiner Familie, doch erstmal etwas Vernünftiges zu tun und BWL oder Jura zu studieren – und das tat ich dann auch.
Erst während meines Masterstudiums hatte ich wieder die Zeit anstelle von Fachlektüre Bücher zu lesen, die mir wirklich Freude bereitet haben. So habe ich zum Beispiel die Krimis von Elizabeth George für mich entdeckt und auch die Highlander Saga von Diana Gabaldon endlich weitergelesen. Und in meinen Tiefen meldete sich der alte Traum: Du wolltest doch auch schreiben.
Durch eine tolle Kooperation und Stipendium in meinem Masterstudium kam ich für mein letztes Studiensemester nach Südafrika in die Stadt Bloemfontein, dem Geburtsort von Tolkien. Es sollte ein ganz normales Studiensemester werden, drei Kurse wollte ich am Campus in Bloemfontein belegen und auch meine Masterarbeit schreiben.
Ich war vorher schon viel gereist und hatte in fremden Ländern Kulturen und Menschen kennengelernt. Doch kein Land hat mich bisher so umgehauen wie Südafrika.
Die Stimmung am Studienort war so lebendig. Es herrschte eine Art Aufbruchsstimmung- voller Zuversicht und neuer Ideen für die Zukunft Südafrikas. Ich belegte Fächer, die es bei uns in diesem Format gar nicht gibt, wie beispielsweise Career Psychology. Ein Fach, das seine Wurzeln noch in der Apartheid hat, da aufgrund der damaligen Trennung Jobs entweder für schwarze oder weiße Menschen vorgesehen waren. Die Idee hinter dem Fach ist, mit gezielter Karriereförderung diese Trennung wieder aufzubrechen. Die Menschen, die ich kennenlernen durfte, waren komplett unterschiedlich und kamen teilweise auch aus anderen afrikanischen Nachbarstaaten. Verblüffend war ihre Sicht auf die Dinge, ihr Optimismus und Geschick Tradition und Moderne zu verbinden. So hat mir auch ein Schamane, der mit mir an der Universität in Bloemfontein studiert hat, seine Arbeitsweise erklärt. Er kannte sich mit den traditionellen Heilmethoden im Land aus, Heilkräutern und Zaubersprüchen- aber war zugleich mit seinem Psychologiestudium an der Uni, um seine Patientinnen und Patienten in den Dörfern auch mental mit Beratungsmethoden stärken und unterstützen zu können.
Dazu kam die wahnsinnig überwältigende Landschaft Südafrikas. Neben Bloemfontein liegt Lesotho ein Land in einem anderen Land, das eigentlich nur aus Bergen besteht. Für mich ganz klar – Mordor. (Auch wenn ich mir gerade die Dokumentation auf ARTE über Tolkien angesehen habe, der von sich selbst sagt, dass ihn die Landschaft Englands inspiriert hat). Ich war in den Drakensbergen und für mich war es die Landschaft des Auenlands. Ich war der Inspiration von Tolkien auf der Spur. Es sieht einfach aus, als ob jeden Moment aus einem der Häuser ein Hobbit kommen könnte.



Die Stimmung, die überwältigende Natur- ob Landschaft oder Tiere rissen mich einfach mit. Anstelle an der Masterarbeit zu schreiben, meldete sich eine alte Figur bei mir: Allan.
Ich machte mir viele Notizen in der Zeit und noch mehr Fotos von diesen Kulissen. In Südafrika umgab mich eine ungeahnte Weite der Landschaft. Denn ich konnte so weit in die Ferne sehen, wie an keinem Ort zuvor und nachts war die Milchstraße zum Greifen nah. Am liebsten hätte ich überall 360 Grad Aufnahmen gemacht, da ich diese Momente und wundervollen Orte festhalten wollte. Und so sog ich alles auf: Den blauen Himmel, die kleinen Dassies (und ja, ein Dassie inspirierte mich zu den Dengiallas im Projekt Allan in Somnea), die kunstvoll gebauten Vogelnester, mysteriöse Landschaft am morgen und die karge Mondlandschaft am Sani Pass.











Zurück in Deutschland beendete ich mein Studium und begann eine Schreibausbildung. Endlich wollte ich lernen, eine Geschichte wirklich bis zum Ende zu schreiben. Und so entstand im Laufe von zwei Jahren mein erster Roman mit dem Projekttitel „Allan in Somnea“.
Ich lernte alles über das Entwickeln von lebensnahen Figuren und eine Geschichte von vorn bis hinten mit einem Spannungsbogen zu versehen. Seitdem ist viel passiert: Ich habe an meinem Fantasy Projekt „Allan in Somnea“ weitergearbeitet, das eine Trilogie werden soll. Zudem habe ich Schreibtrainings besucht und war auf Buchmessen unterwegs. Dieses Jahr bin ich dem BVjA beigetreten, wodurch ich tolle neue Autorinnen- und Autorenkollegen kennengelernt und ein Stimmtraining sowie ein Schwertkampfseminar mitgemacht habe.

Für mich war es ein langer Weg von meinem Traum bis zu dem Zeitpunkt, als ich meine gedruckte Erstfassung des Manuskripts in den Händen hielt. Und es wird auch immer noch dauern, bis das Ganze lesereif sein wird und ich einen Verlag gefunden habe. Zwischendurch in all den Jahren habe ich selbst gedacht, dass ich aufgegeben habe, bis dann dieser kleine Funke an Inspiration, Neugier und Geschichtenideen wieder erwacht ist. Es hat sich gelohnt, diese Jahre durchzuhalten und für meinen Traum zu kämpfen.
Mein Leben fühlt sich erfüllter und sinnvoller an, seitdem ich mir die Zeit lasse, auch diese kreative Seite auszuleben und endlich meine Geschichten zu schreiben.
Deshalb möchte ich diese Geschichte mit dir teilen und dir Mut machen, ebenfalls für deine Träume einzustehen und ihnen zu folgen.